Protein Screener

Menschen ab 65 Jahren nehmen über das Essen häufig wenig Protein zu sich. Das führt zu einem Verlust von Muskelmasse und -funktion und damit verbunden häufig zu einer abnehmenden Mobilität – was vor allem für ältere alleinlebende Menschen zum Problem werden kann. Zur frühen Identifizierung einer niedrigen Proteinzufuhr, wurde von der Freien Universität Amsterdam in den Niederlanden der Protein Screener 55+ entwickelt, mit dem sich die Proteinzufuhr online über ein einfach zu bedienendes Portal überprüfen lässt. Forschende des Instituts für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben mit einer Studie nun den Nachweis erbracht, dass der Protein Screener hilft, eine ausreichende Proteinzufuhr auch für das Essverhalten in Deutschland zumindest zu bestätigen. Basierend auf den Ergebnissen der Validierungsstudie wurden Vorschläge zur weiteren Optimierung des Protein Screeners zur besseren Erkennung einer niedrigen Proteinzufuhr erarbeitet. Die Studie erscheint im XXX und wurde durch die Karl-Düsterberg-Stiftung unterstützt. 
Alle Informationen zum Hintergrund und Ziel der Studie sowie der Methodik und dem Ergebnis finden Sie im Verlauf dieser Seite. 

Hintergrund der Studie

Diverse Untersuchungen haben gezeigt, dass eine niedrige Proteinzufuhr bei älteren Menschen zum Verlust der Muskelmasse und Muskelfunktion führen kann. Darüber hinaus scheinen ältere Menschen aufgrund von Entzündungsprozessen, Insulinresistenz und reduzierte Proteinaufnahme einen höheren Proteinbedarf zu haben als jüngere Menschen. Daher haben Expertengruppen in den letzten Jahren die bestehende Empfehlung für die Proteinzufuhr von 0,8 g/kg KG/Tag in Frage gestellt und eine optimale Proteinzufuhr von 1 - 1,2 g/kg KG/Tag für gesunde ältere Erwachsene vorgeschlagen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat im Jahr 2017 ihre Empfehlung für die Proteinzufuhr bei gesunden Menschen ab 65 Jahren in einen Schätzwert von 1 g/kg KG/Tag geändert. 

Ziel der Studie

„Der Protein Screener soll ältere Menschen bei der Früherkennung eines Mangels unterstützen.“
Prof. Dr. Volkert
Das Original des Protein Screeners wurde in den Niederlanden entwickelt und soll durch die Studie zukünftig auch in Deutschland eingesetzt werden. "So Nah die beiden Länder aneinander liegen, können Essgewohnheiten aufgrund kultureller Unterschiede variieren", sagt Dr. Kiesswetter.
Aus diesem Grund war das Ziel der Studie die Validierung einer deutschen Version des Kurzfragebogens „Protein Screener 55+“ bei zu Hause lebenden älteren Menschen in der Region Nürnberg.
Der Protein Screener soll älteren Menschen durch verschiedene Fragen einen ersten Hinweis auf einen Proteinmangel geben. Weitere Schritte zur Behandlung eines Mangels müssen jedoch durch eine Ernährungsberatung festgelegt werden.

Zusätzlich soll durch die Studie das Verständnis für Protein erweitert werden, indem gezeigt wird, welche Proteinquellen es gibt. Dabei wird zwischen pflanzlichen und tierischen Proteinen unterschieden:

Methodik der Studie

Die Validierung erfolgte in zwei Schritten. Zuerst wurde der Fragebogen übersetzt, als Selbstausfüller-Fragebogen gestaltet, in einer kleinen Stichprobe (n=4) getestet und basierend auf den Rückmeldungen überarbeitet. Im zweiten Schritt wurde eine Validierungsstudie durchgeführt, in der 144 zu Hause lebenden ältere Menschen ohne kognitive Einschränkungen sowohl den Protein Screener als auch ein 3-Tage- Ernährungsprotokoll ausfüllten. Das Ergebnis des Screeners ist die vorhergesagte Wahrscheinlichkeit einer geringen Proteinzufuhr (<1 g/kg adjustiertem Körpergewicht (aKG) /Tag) und kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen, wobei ein höherer Wert eine höhere Wahrscheinlichkeit anzeigt. Eine niedrige Proteinzufuhr wurde als <1 g/kg aKG/Tag definiert. Eine ergänzende Analyse wurde mit einem Schwellenwert von <0,8 g/kg aKG/Tag durchgeführt. Die Unterscheidungsfähigkeit des Screeners zwischen niedriger und adäquater Proteinzufuhr wurde anhand von ROC-Kurven (Receiver Operating Characteristic), sowie der Berechnung von Sensitivität, Spezifität, positivem Vorhersagewert (PPV) und negativem Vorhersagewert (NPV) getestet.

Protein Screener liefert schnelle Ergebnisse

Die Erfassung der Proteinzufuhr stellt eine komplexe und zeitaufwändige Aufgabe dar, für die spezifische Fachkenntnisse und einige Tage benötigt werden. Der Protein Screener hingegen liefert innerhalb weniger Minuten ein erstes Ergebnis.

Ergebnisse und Schlussfolgerung der Studie




Insgesamt haben 144 Teilnehmer*innen an der Studie zur Validierung des Protein Screener teilgenommen. Die Teilnehmer*innen waren überwiegend weiblich (62%) und durchschnittlich 81,6 Jahre alt.

Es wurde festgestellt, dass die Frauen häufiger alleine lebten.




Die Studie hat ergeben, dass die durchschnittliche Kalorienzufuhr bei 1770 kcal lag und Männer mehr Kalorien zu sich nehmen als Frauen. Außerdem hat sich gezeigt, dass Menschen, die mehr Protein zu sich nehmen auch mehr Kalorien aufnehmen, als die, die tendenziell zu wenig Protein essen. 

39, 6% der Teilnehmer*innen konsumierten weniger als die empfohlene Menge an Protein (unter 1 g/kg aKG/Tag). 17,4% konsumierten sogar noch weniger Protein (unter 0,8 g/kg aKG/Tag). 






Insgesamt erwies sich die Unterscheidungsfähigkeit der deutschen Version des Pro55 + zur Identifizierung älterer zu Hause lebender Menschen mit niedriger Proteinzufuhr im Vergleich zum Referenzstandard eines 3 Tage Ernährungsprotokolls als gering. In unserer Studie konnten mit einer Wahrscheinlichkeitsgrenze von 0,09 88% der älteren Menschen mit einer Proteinzufuhr unter 0,8 g/kg aKG/Tag korrekt klassifiziert werden.


Es werden weitere Validierungsstudien, z.B. unter Verwendung anderer Referenzstandards oder Applikationsmethoden, benötigt.