Studienergebnisse

Ernährungsstile und Visionen selbstständig lebender älterer Menschen

"Wie ernähren sich hochbetagte Menschen heute und was können die Versorgungsdienstleister von morgen daraus lernen?" Das Institut für Biomedizin des Alterns der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen und die Karl-Düsterberg-Stiftung liefern Antworten.

Die vorliegende Studie betrachtet Lebens- und damit verbundene Ernährungsstile (zukünftiger) Senioren, um Rückschlüsse für die Entwicklung zielgruppenorientierter Ernährungsangebote zu ermöglichen. Der Fokus liegt hierbei auf zu Hause lebenden Senioren im Alter von über 75 Jahren. Betrachtet werden sowohl die individuelle Lebens- und Gesundheitssituation, Ernährungsstile und -probleme sowie das Medien- und Einkaufsverhalten.

Ziel der Untersuchungen ist es, aktuelle Wünsche, Vorlieben und Motive älterer, selbstständig lebender Menschen für ihr Ernährungs-, Einkaufs- und Informationsverhalten herauszustellen. Außerdem werden Vorstellungen und Visionen älterer Menschen zur zukünftigen Ernährungsversorgung dargestellt. Die Ergebnisse der Studie sollen dazu beitragen, das Ernährungsverhalten älterer Menschen besser zu verstehen und zukünftige Angebote der Ernährungsinformation und -versorgung besser an die Vorstellungen und Wünsche der Zielgruppe anpassen zu können. 

Mein Leben, meine Ernährung.

Essen ist Kristallisationspunkt des Lebensstils – und Spiegel der gesamten Lebenssituation.

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Unsere Ergebnisse belegen: Die Heterogenität der aktuellen Kohorte »75 bis 85« ist gerade im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen und auch ernährungswissenschaftlich und -wirtschaftlich nicht zu unterschätzen. Faktoren wie das Geschlecht, der gesundheitliche und funktionelle Zustand, der Bildungsstand, finanzielle Ressourcen, Wohnbedigungen und die soziale Einbindung der Befragten sind individuell sehr unterschiedlich und beeinflussen die Vorstellungen von einer angemessenen Ernährung.

Zukünftig erfolgreiche Strategien der Ernährungsversorgung für hochbetagte Seniorinnen und Senioren werden dies berücksichtigen müssen: Gefragt ist eine Vielfalt an unterschiedlichen Angeboten, die eine individuell angepasste Ernährungsversorgung ganz nach den eigenen Vorstellungen und Ressourcen sowie dem persönlichen Bedarf ermöglicht.

Mein Essen, meine Selbstständigkeit.

Selbstbestimmt essen ist der Schlüssel zur Zufriedenheit - und Türöffner für soziale Teilhabe.

"Selbstständigkeit" und "Selbstbestimmtheit" bei der Ernährung: In keinem der Gespräche mit den Seniorinnen und Senioren hat der Wunsch danach gefehlt und auch für die Teilnehmer/ -innen der Fokusgruppen waren diese beiden Schlagwörter zentral. Auch wenn sich die Befragten tendenziell wenig mit der eigenen Situation einer zukünftigen Hilfsbedürftigkeit auseinandersetzen – klar ist: So lange wie möglich möchten hochbetagte Seniorinnen und Senioren ihre Ernährungsversorgung nach eigenen Wert-, Geschmacks- und Warenqualitätsvorstellungen gestalten.

Ein starkes Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen der eigenen gesundheitlichen Verfassung und der Ernährung besteht auf informativer Ebene. Hochbetagte Seniorinnen und Senioren zeigen heute ein klares Interesse an fundierten Informationen zum Konnex Ernährung und Gesundheit. Mit der Zunahme einer entsprechenden Medienkompetenz, um diese Infos [eigens] vermehrt digital zu beschaffen, ist zukünftig zu rechnen.
 
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Unsere Mahlzeiten, unsere Gemeinschaft.

Das Miteinander ist die wichtigste Zutat für jedes Rezept - und ein Garant für geteilten Genuss.

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Häufig vergessen und doch von essentieller Bedeutung für hochbetagte Seniorinnen und Senioren: die direkte Teilnahme an sozialer Gemeinschaft. Egal, ob beim Einkaufen, bei der Bestellung und Lieferung von Nahrungsmitteln, bei der Zubereitung von Speisen oder bei der Gestaltung der Esssituation: Für alle Befragten erwies sich der Wunsch des Dabeiseins und Miteinanders als zentral. Umso besser, wenn dies im privaten Umfeld mit vertrauten Personen stattfindet.

Zukünftige Versorgungsmodelle haben hier anzuknüpfen. Im Alter in der Regel schwächer werdenden sozialen Netzwerken ist mit Angeboten entgegenzuwirken, die hochbetagte Seniorinnen und Senioren so weit wie möglich gezielt bei der Beschaffung und Zubereitung von Lebensmitteln integrieren.

Unsere Gesellschaft, unsere Verpflegung.

Bedürfnis- und bedarfsgerechte Angebote sind die Lösung - und zu jedem Zeitpunkt essentiell.

Wünsche nach Vielfalt im Angebot, Selbstbestimmtheit und sozialer Teilhabe sind zentrale Anliegen älterer Menschen, wenn es um Ernährung und Ernährungsversorgung geht. Sie gilt es heute und in Zukunft zu berücksichtigen und wahrzumachen, um die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit hochbetagter Menschen nachhaltig zu verbessern.

Ein Versorgungsmodell der Zukunft setzt hier an, indem es passgenaue und individuelle Angebote schafft, die der heterogenen Zielgruppe in jedem Alter und Gesundheitszustand gerecht werden. Gefragt ist ein Modell, das einen fließenden Übergang von Angebot zu Angebot für jeden Grad der Selbstständigkeit und jeden Gesundheitszustand ermöglicht – ohne Qualitäts- und Vielfaltsverluste bei der Ernährung. Nur so kann eine Angebotsakzeptanz der Zielgruppe auf Dauer und ein genussvolles Altern rundum erreicht werden.
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„Zu wissen, jederzeit gut versorgt und nicht alleine zu sein, lässt einen in Würde altern.“
Ursula und Heinz Schepanek
(82 und 84 Jahre)

Weiterführende Informationen?

Neben den hier dargestellten Ergebnissen wurden im Rahmen der Studie gemeinsam mit den Experten der Fokusgruppen-Diskussionen Auswirkungen und Visionen für zukünftige Angebote der Ernährungsversorgung erarbeitet. Gerne diskutieren wir die weitere Erkenntnisse der Experten und möglichen Handlungsempfehlungen für Sie mit Ihnen persönlich. 

Kontaktieren Sie uns gerne an (Kontaktformular) oder schreiben Sie uns eine Mail (Info@Karl-Duesterberg-Stiftung.de) und fordern Sie weitere Informationen an.